Home Front Line Assembly Front Line Assembly: Drei Jahrzehnte elektronische Pioniere

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Iceolate

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Right Hand Of Heaven

Lurid Sensation

Body Count

Hydrogen

Maniacal

 

Wichtigste Veröffentlichungen


The Initial Command (1986)

State Of Mind (1988)

Covergence (1988)

Gashed Senses
& Crossfire (1989)

Caustic Grip (1990)

Tactical Neural Implant (1992)

The Blade (EP 1992)

Millenium (1994)

Hard Wired (1995)

Corroded Disorder
(Compilation 1995)

Live Wired (1996)

Flavour Of The Weak (1997)

Re-wind (Remixalbum 1998)

Implode (1999)

Epitaph (2001)

Civilisation (2004)

Artificial Soldie (2006)

Fallout (Remix EP 2007)

 



Freitag, 13. Februar 2009 um 12:45 Uhr

Front Line Assembly - Drei Jahrzehnte im Zeichen der Elektronik


Die Geschichte der kanadischen Formation Front Line Assembly um Ex Skinny Puppy Mitglied Bill Leeb könnte wechselhafter nicht sein: Gegründet 1986, prägte sie den Stil Electronic Body Music Anfang bis Mitte der 90er Jahre maßgeblich mit, produzierte anschließend aber eher durch misslungene Auftritte und mäßige Alben Schlagzeilen.

Seit der Rückkehr von Rhys Fulber im Jahre 2003 haben sich Front Line Assembly gefangen und warten mit Produktionen jenseits fester Genres auf.

 

Front Line Assembly in den 80ern

Bill Leeb alias Wilhelm Schröder gründete die Band mit Michael Balch, um seine immer mehr von Skinny Puppy abweichenden musikalischen Vorstellungen umzusetzen. Er bevorzugte den eher gradlinigen europäischen Sound.

Die ersten und heute heißbegehrten Demos Nerve War und Total Terror enstanden, bald gefolgt vom ersten Album The Initial Command. Das Album bot mit Tracks wie The State oder Nine Times sowohl dezente Industrial Einflüsse als auch moderate elektronische Klänge.

 

Wechsel: Rhys Fulber für Michael Balch

Kurz vor dem sehr atmospärischen Album State Of Mind kam Rhys Fulber in die Band - ein Glückgriff, wie sich später zeigen sollte.

1989 war der Beginn des Wandels: Michael Balch verließ die Band, das tanzbare Album Gashed Senses & Crossfire erschien und mit der MCD Digital Tension Dementia konnte man erstmals richtig in Europa punkten: Straight und doch technisch versiert lautete das Urteil über die Maxi, die in Zeiten der immer beliebter werden EBM auf den Markt kam.

 

1990 - 1996: Die goldenen F.L.A. Jahre

Die Zeit zwischen 1990 - 1996 gilt relativ einstimmig als die mit Abstand Beste der Band.

Caustic Grip

Das Album Caustic Grip war musikalisch ein Quantensprung. Songs wie Provision, Iceolate oder Overkill vereinen harten, rhythmischen EBM Sound und bissige Vocals mit differenzierter und vielschichtiger Produktion.

Tactical Neural Implant

Das etwas temporeduzierte Folgealbum Tactical Neural Implant bot mit dem eingängigen Mindphaser oder dem wuchtigen Gun würdige Nachfolger. Sämtliche Songs klangen ausgereift und hochgradig differenziert.

Auch die MCDs Virus und The Blade reihten sich nahtlos in den populären F.L.A. Stil ein und waren aus den Clubs nicht mehr wegzudenken.

Millenium

Das recht rockige Album Millenium ist das umstrittenste Werk dieser Ära. Einigen Fans gefiel der gitarrenorientierte Sound der Scheibe nicht.

Trotz aller Kritik finden sich auf Millenium reihenweise packende Songs mit akribisch ausgearbeiteter Hintergrundelektronik, auch wenn das Gitarrenspiel ab und an drübergebrettert wirkt.

Hard Wired

Das 1995 folgende Album reduzierte den Gitareneinsatz wieder und vereinte nahezu alle Elemente der vorangegangenen Alben.

front line assembly live wired tourMit Circuitry und Barcode feierte die Band Singleerfolge. Hard Wired und die anschließende Live Wired Tour durch Europa stehen für die kommerziell erfolgreichste Zeit der Kanadier.

Plasticity MCD

Die nächste Veröffentlichung war Plasticity. Der Track integrierte erstmals Technoeinflüsse, ohne dass aber der typische F.L.A. Sound fehlte.

Fast alle MCDs der damaligen Zeit waren echte Highlights, ihre Extratracks überboten die Qualität späterer Veröffentlichungen locker. Eigentlich stand der Band nichts im Weg - eigentlich.

 

Wandel: Rhys Fulber verlässt die Band

1997 widmete sich Rhys Fulber mehr und mehr der Produktion von Fear Factory und stieg aus. Chris Peterson nahm seinen Platz ein.

Es folgte das F.L.A. Album Flavour Of The Weak und damit ein kompletter Stilwandel: Electronicaelemente, Drum & Bass Rhythmen und ausführliche Soundspielerein prägten den Klang.

 

Schwierige Alben

Flavour Of The Weak war technisch nach wie vor ohne Makel, aber ohne jegliche Intensität oder packende Momente - das Album entwickelte sich zum Flop. Ein Release, welches rückwirkend von Bill Leeb sehr kritisch gesehen wird.

Er versuchte auf den Nachfolgern Implode und Epitaph zu alter Stärke zu finden, doch so richtig überzeugend klappte dies selten.

Trotz guter Stücke wie Prophecy, Epitaph oder Black Planet kamen viele der Tracks nie so recht auf den Punkt oder wirkten angesichts der häufig benutzen Fistelstimme kraftlos.

Parallel erschienen zahlreiche Compilations auf diversen Labels - es roch nach Ausverkauf.

 

Nebenprojekt Delerium

Große Erfolge feierte Bill Leeb in dieser Zeit mit einem  Front Line Assembly Nebenprojekt: Delirium stürmte mit trendigen Ethnoklängen die Charts und so spielte die Formation auf einmal bei Top Of The Pops.

 

Der Skandal: WGT 2002

Richtig unbeliebt machten sich Front Line Assembly, als sie auf dem WGT 2002 aus dubiosen Gründen nicht auftraten, sondern scheinbar "Doppelgänger" auf die Bühne schickten. Der Begriff Klonfresse machte in Foren die Runden - der Tiefpunkt. Auch das Aus?

 

Bessere Zeiten? Rhys Fulber kehrt 2003 zurück

Nein - im Jahre 2003 kam Rhys Fulber in die Band zurück und tatsächlich scheint Bill Leeb für die Umsetzung seiner Ideen den Soundtüftler zu benötigen. Front Line Assembly sammelten sich und veröffentlichten neue Songs.

Civilisation

Die gradlinige MCD Maniacal und das folgende Album Civilisation knüpften teilweise an den lang vermissten Hard Wired Sound an und ergänzten diesen mit aktuellen elektronischen Klängen. Stilistisch bewegte sich Band zwischen EBM, Electro und Ambienteinflüssen - die Single Maniacal entwickelte sich zu einem kleinen Clubhit.

Artificial Soldier

Das letzte reguläre Studioalbum mit den neu hinzugekommenen Musikern Jeremy Inkel und Jared Slingerland bediente sich weiterer elektronischer Stile.

Heraus kam 2006 ein teilweise hektisches und überladenes Werk, das aber mit Highlights wie Unleash oder Dopamine aufwarten konnte.

Es folgten Liveauftritte in Europa, die sowohl ältere als auch jüngere Fans überzeugten, auch wenn nicht mehr der Kultfaktor der Hard Wired Tour erreicht wurde.

Die anschließende Fallout Remix CD hinterließ einen eher zwiespältigen Eindruck, konnte aber mit Armageddon und vor allem dem zackigen Electric Dreams gute Non-Album Tracks vorweisen.

 

Front Line Assembly - die Zukunft?

Bald beginnt das vierte Jahrzehnt, in welchem die Band tätig ist. Eine Prognose abzugeben, wäre angesichts einer solch wechselhaften Geschichte reine Spekulation.

Für das Frühjahr hat die Band die Produktion eines neuen Albums angekündigt, dass die Bissigkeit der alten Front Line Assembly mit der neusten Technik kombinieren soll. Man kann gespannt sein!